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"Flax-Mill Yard Fest" Irland 13.August 2005
Du
warst in Irland? In Nordirland? Dann kennst Du Terry aus Belfast, den mit dem
Glasauge, nein du kennst ihn nicht, dann warst du nicht wirklich da wo Irland
noch Irland ist. Nein wie ein Tourist darfst du da sicher nicht kommen, so
lernst du niemanden kennen auf der grünen Insel und schon gar nicht ihn. Wer er
ist ? Ein König unter den Alternativen, eine Ikone, Grün, nein ein Grüner ist er
nicht, ein Roter schon eher, doch nein, nein ein Roter wohl auch nicht , sagt er
zumindest von sich selbst.
Und wenn der, am zeitigen Abend, so gegen halb neun wo auftaucht, muss es schon
handfeste Gründe geben. Wenn der dann noch seinen Enkel mitbringt ist schon was
angesagt in der Szene. In der Altstadt von Belfast, eine Gasse, wir würden es
Durchgang nennen, zwischen 2 Strassen, in dem 2 Leute nicht aneinander vorbei
gehen können, wo Bauzäune den Weg blockieren und jeder Fremde misstrauisch
beäugt wird, hängt ein Plakat, nein wohl doch eher ein Zettel, fein säuberlich
gestaltet und ausgedruckt und übrigens hängt er nicht nur da, sondern an vielen
Stellen der Stadt, wenn du aufmerksam hinsiehst und eben jenes Plakat weist
genau auf diese Gasse und auf einen Eingang gleich neben einem Pub und da ist
Terry die steile Treppe bis ins letzt obere Geschoss nach oben gegangen, dahin,
wo die kommunistische Partei Irlands einen Saal hat der für vieles genutzt wird
und in dem auch, den Singeclub „Ernesto Che Guevara“ aus Dresden, Lenin von der
Wand herab anschaut, neben dem noch eilig befestigten Portrait von Ernesto Che
Guevara das eine Genossin von zu Hause mitgebracht hat.
Er sagt zwar, mit den Kommunisten kann er sich nicht so ganz anfreunden, nein er
sei keiner, aber wenn da die Che’s kommen, nun dann muss auch er sich
überwinden, da muss er hin zu den Kommunisten, kennt er diese Gruppe doch noch
vom letzten Jahr, als Makler und Spekulanten in der Historischen
Innerstadtpassage, in der auch er seinen alternativen Schallplattenladen hatte,
gerade Feuer gelegt hatten um Platz für eine Neue Passage zu schaffen, in der
die ewig gestrigen, sozialen, die mit den kleinen Preisen für das einfache Volk,
die eben nicht bereit waren ihre Geschäfte aufzugeben , natürlich keinen Platz
haben würden. Gerade in dieser Situation traten dann genau gegenüber im Pub
diese Jungen Leute aus „old Germanie“ auf, mit einem Programm, dass auch Terry
die Tränen in die Augen trieb und ihn zu der spontanen Äußerung veranlasste“ Ihr
habt einen alten Mann glücklich gemacht, ich dachte nicht das ich so etwas noch
erleben werde“ und als damals im Morgengrauen alle das Lokal verließen, prangte
ganz plötzlich gegenüber, an der ausgebrannten Passage in großen Roten
Buchstaben der Text „Ihr werdet uns nicht mit Feuer vertreiben können wir sind
noch da und werden bleiben“. Eben diese Gruppe von damals ist es nun, die viele
Mitglieder der KP Irlands, Symphatisanten und eben „nur Interessierte“ an diesem
Abend in jenen Saal lockt, in dem Terry längst auf der ersten Reihe sitzt, neben
seinem Enkel, der mit seiner Flöte in der Hand, begeistert mitsingt, hat die
Gruppe doch extra für das 13. Flaxmill Jard Fest, wo sie ebenfalls spielten,
einige Titel in der Landessprache ins Repertoire aufgenommen. Es wir spät, sehr
spät an jenem Abend an dem gemeinsam gesungen, geredet und getrunken wird und an
dem natürlich, wie sollte es in Irland anders sein, noch den Musikern im Pub
gelauscht und Beifall gezollt wird, ehe wir im Morgengrauen die Heimreise in das
Hostel Flax Mill antreten, dass wieder einmal unser zu Hause auf Zeit war, ein
zu Hause, mit einer Fangemeinde, wie sie nirgends auf der Welt besser sein kann.
Auch hier treffen sich jedes Jahr Freunde, die sich schon Jahre kennen,
musizieren Künstler gemeinsam die sich gerade erste kennen gelernt haben, so,
als ob sie schon ewig miteinander spielen. In diesem Jahr fielen auf das
Jardfestkonzert am 13. August natürlich rein zufällig gleich mehrere Höhepunkte,
nein nicht der Berliner Mauerbau, der natürlich Gegenstand von Gesprächen war,
die Seele der Flax Mill, Marion Baur teilte an diesem Tag Ihren Geburtstag mit
Fiedel Castro. Ein Grund mehr zu feiern auch der Liebling aller und jüngste
Spross des Hauses“ das erste Enkelkind Travis.
Leider ist die Zeit in Irland ebenso unerbittlich wie bei anderen politischen
Anlässen und im gesamten Leben, viel zu schnell waren die Tage vorbei und die
Heimreise stand an. Wir lassen Freunde, Kampfgefährten und Menschen zurück, die
wir lieben und die wir hier im Alltag täglich vermissen, wohl wissend, dass
Irland ja nur 2 Flugstunden entfernt ist von unserer Republik.
Ein strahlender Septembertag im Jahr 2004 und ein Ensemble auf dem Weg nach Berlin Schönefeld, wohin unser Lieblingsfahrer Uwe, uns wie immer pünktlich ablieferte und wir uns in der Gewißheit ihn auch nach unserer Reise vorzufinden, fröhlich verabschiedeten.
Sieht man von diversen Streitereien am Ticketschalter und den sich daraus ergebenden Flugpreisen ab, begann unsere Reise nach Irland unter besten Bedingungen. Nach ca. 2 Stunden Flugzeit setzten wir in Dublin bei strahlendem Sonneschein auf und unsere Gastgeber, Marion und Hermann, erwarteten uns zur 3 stündigen Autofahrt in den Ort unseres Aufenthaltes: Dungiven. Die Flax-Mill sollte für eine unvergessliche Woche unser Heim werden.
Für die meisten von uns der erste Kontakt mit der grünen Insel, über die jeder schon gelesen oder gehört hatte.
Das Hostel Flax-Mill welches Marion und Hermann seit Jahren erfolgreich betreiben, war das erste Erlebnis. Ohne Strom, Licht aus der Gasflamme, selbst gebackenes Brot, Butter im französsischem Butterkühler, Müsli mit eben frisch gepflückten Brombeeren, vegetarische Kost und das wichtigste, eine tolle Athmospäre im Haus und unter den Gästen, dies waren schon die ersten überwältigenden Eindrücke. Und dies setzte sich eine Woche ohne Ende fort.
Über die Veranstaltungen in den Pubs, über die Leute für und mit denen wir sangen, liesen sich ganze Bücher schreiben, aber alle diese Bücher könnten das Erlebte nicht annähernd treffen. Man muß es einfach erleben, so wie all jene, die zum Teil schon seit vielen Jahren jedes Jahr zum Flax-Mill Yard Fest anreisen, eine Familie aus der ganzen Welt kommend, sich verstehend und mit Hand anlegend, wenn es um die Vorbereitung und Durchführung "des Festes" geht, was uns hierher geführt hatte.
Hermann, der uns vom Pressefest der UZ weg eingeladen hatte, stellte mit seiner Familie und Freunden alles in den Schatten, was wir aus dem Osten kommend, auch nicht gerade verwöhnt, an Organisation und Improvisation je gesehen hatten. Eine Halle gerade mal noch für 300 Leute überdacht, Verpflegung und Getränke und Unterbringung für alle diese Freunde des Festes; eine Meisterleistung.
Und dann noch wir, 8 Leute, immer dazwischen, die betreut und übers Land geführt und für die abends in den Pubs die Conference übersetzt werden musste. Wie die beiden das schafften und noch dazu lächelten, wir werden das niemals vergessen. Genauso wenig wie den Auftritt beim Yard-Fest selbst. Meine anfänglichen Bedenken - "Programm in Deutsch" - stellten sich als völlig überflüssig heraus. Das Konzert mit solchen Künstlern wie Rosemarie Woods auf einer Bühne kann man nicht beschreiben, das muß man erleben, so wie wir es erlebt haben. Und Irland ist wie ein Virus, einmal angesteckt kommt man nicht mehr davon los. Flax-Mill Yard Fest 2005 im August muß man erleben,
dafür Danke, Marion und Hermann!
![]() Auftritt im "The John Hewitt" |
![]() Mit Fans in Belfast |
![]() Vor dem Pub "The John Hewitt" |
![]() Nachtansicht in Belfast |